Von der Theorie in die Praxis

Maschinenbau-Studenten aus Pilsen besuchen erstmals Berufsschulzentrum Wiesau

Berufliche und akademische Bildung grenzüberschreitend miteinander vernetzen: Das ist das Ziel einer im Rahmen der Europaregion Donau-Moldau geschlossenen Kooperationsvereinbarung zwischen dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Wiesau und der Westböhmischen Universität Pilsen. Die seit Sommer 2016 bestehende Partnerschaft will die an beiden Standorten vorhandenen Ausbildungspotenziale optimal nutzen und gewinnt immer mehr an Dynamik. Bereits im vergangenen Jahr hatten Berufsschüler aus Wiesau in Pilsen Einblicke in die Welt der Wissenschaft und Forschung gewonnen. Nun traten erstmals 15 Maschinenbau-Studenten aus Pilsen zum Gegenbesuch im  Berufsschulzentrum an, um dort Praxisluft zu schnuppern. Begleitet wurde die Gruppe von Markus Meinke, Leiter der Regionalen Kontaktstelle der Europaregion Donau-Moldau beim Bezirk Oberpfalz, und Šárka Kuthanová, die als Dolmetscherin die reibungslose Kommunikation für den Termin gewährleistete.

Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein hieß die Gäste aus der Tschechischen Republik herzlich willkommen und hob die Bedeutung des Berufsschulzentrums hervor. Wiesau ist sowohl bayern- als auch bundesweit einer der modernsten Standorte im Bereich der Metallausbildung und der vernetzten Steuerungstechnik und verfügt über einen hochwertigen Maschinenpark. Insbesondere das Thema Industrie 4.0, d.h. die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsprozessen, wird bei der Ausbildung in Wiesau groß geschrieben. Die Verbindung von Kenntnissen aus den Bereichen IT und Metall geht hier Hand in Hand und soll die Schüler optimal auf den künftigen Arbeitsmarkt vorbereiten. Zu diesem Zweck hat das Berufsschulzentrum in der Vergangenheit bereits viel in seine Modernisierung investiert, weitere Investitionen sollen dieses Jahr noch folgen. Damit verfügt Wiesau über Potenziale, die auch für die Universität Pilsen von Interesse sind. Dass ihm die Kooperation mit den tschechischen Partnern am Herzen liegt, machte Eckstein in einem Appell an die Studenten deutlich: „Wenn Sie ein Anliegen haben oder etwas in der Praxis umsetzen möchten, dann kommen Sie zu uns! Wir helfen Ihnen jederzeit.“

Auch Wolfgang Prebeck, Mitarbeiter in der Schulleitung, unterstrich die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Neben den Hochschulen in Amberg-Weiden, Regensburg und Hof sei die Universität Pilsen ein wichtiger Partner, um die fachliche Qualifizierung künftiger Arbeitnehmer auf ein höheres Niveau zu heben und zugleich neue Perspektiven für Studium und Beruf zu eröffnen. 

Im Anschluss ging es in die Praxis, für die sich die Lehrkräfte Andreas Büttner und Manfred Sladky einiges ausgedacht hatten. Mit dem Designprogramm „Inventor“, das auch an der Universität Pilsen genutzt wird, gestaltete die Gruppe unter fachlicher Anleitung von Andreas Büttner am Computer die Planskizze für einen Smartphone-Halter aus Metall. Die angehenden Ingenieure erkannten dabei sofort Optimierungsbedarf und brachten ihre eigenen Vorschläge und Ideen in die Konstruktion ein. Nachdem die fertigen Daten vom Computer an die Maschinen übertragen worden waren, übernahm Manfred Sladky die praktische Umsetzung. Von der Bearbeitung des Metalls mit einer Wasserstrahlschneideanlage über das Abkanten des Werkstücks bis hin zum Entgraten mittels Sandstrahlen durchliefen die Studenten alle Schritte des Produktionsprozesses. Erstaunt zeigten sie sich dabei über die Unterschiede, die sich zwischen dem theoretischen Entwurf am Computer und der Bearbeitung in der Realität ergaben. Das sei ein wichtiger Aspekt, erläuterte Andreas Büttner, denn die Ingenieure müssten im späteren Berufsleben auch die Verantwortung für die Produzierbarkeit ihrer Konstruktionen übernehmen.       

Für den Nachmittag hatten Andreas Büttner und Wolfgang Prebeck noch etwas Besonderes zu bieten. Bei einer Werksführung durch das Unternehmen „Wiesauplast“  erhielten die Pilsener Besucher Einblick in ein regionales Oberpfälzer Mittelstandsunternehmen aus der Automobilzuliefererbranche. Harald Strobl, kaufmännischer Leiter, und Otakar Maceška, Key Account Manager bei Wiesauplast, erläuterten die grundlegenden Zahlen des 1958 gegründeten Unternehmens und gaben einige interessante Fakten bekannt. So ist jedes dritte Fahrzeug weltweit mit Teilen von Wiesauplast ausgestattet. Die Firma mit einem Jahresumsatz von 60 Millionen Euro und über 300 Angestellten bildet damit einen wichtigen Arbeit- und Impulsgeber in der nördlichen Oberpfalz. In den Fertigungshallen konnten die Studenten u.a. die Vorbereitungen für neue Produkte und die Herstellung von Vorratsbehältern für Bremskraftverstärker besichtigen.

Insgesamt 15 Studenten aus Pilsen hatten sich auf den Weg nach Wiesau gemacht, wo sie von Manfred Sladky, Schulleiter Dr. Wolfgang Eckstein, Andreas Büttner (v.r.) sowie Markus Meinke und Wolfgang Prebeck (v.l.) begrüßt wurden.

Zum Abschluss der Exkursion bestand Einigkeit, dass die Kooperation für beide Seiten einen großen Mehrwert bietet. Die Studenten aus Pilsen möchten bald nach Wiesau zurückkommen, um dort weitere praktische Erfahrungen für ihr Studium zu sammeln. Und in Wiesau laufen bereits die Vorbereitungen für den nächsten Besuch in Pilsen, der spätestens nächstes Frühjahr stattfinden soll.

 

 

Hintergrundinformation:

Die Europaregion Donau-Moldau wurde am 30. Juni 2012 als politisch vereinbarte Arbeitsgemeinschaft zwischen der Oberpfalz, Niederbayern (mit LK Altötting), Pilsen, Südböhmen, Vysočina, Oberösterreich und dem niederösterreichischen Most- und Waldviertel gegründet. Die insgesamt 60.000 Quadratkilometer und 6 Millionen Menschen umfassende Region verfolgt das Ziel, die grenzüberschreitende Vernetzung weiter auszubauen und durch die Umsetzung gemeinsamer Maßnahmen den Herausforderungen der Zukunft, wie dem Fachkräftemangel oder der Sprachbarriere, effektiv zu begegnen.

Die Europaregion Donau-Moldau wird in der Oberpfalz und in Niederbayern durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat (StMFLH) gefördert.

 
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